Wie überarbeite ich mein Manuskript? Ghostwriter geben Tipps für die Überarbeitung

Mit dem Schreiben alleine ist die Arbeit an einem Buch für einen Autor nicht erledigt. Tatsächlich beginnt jetzt die wichtigste Phase: Die Überarbeitung. Es kann Sinn machen, einen Ghostwriter mit der Überarbeitung eines Manuskriptes zu beauftragen, da es dabei eine ganze Menge Dinge zu beachten gibt und man oft durch das lange Schreiben schon „betriebsblind“ für die eigenen Fehler ist oder aber zögert, den Rotstift da anzusetzen, wo es notwendig ist. Auf die Überarbeitung zu verzichten, ist in keinem Fall ratsam, aus gleich mehreren Gründen: Schreiben ist ein kreativer Prozess, die Überarbeitung hingegen analytisch. Das sind zwei unterschiedliche Herangehensweisen an einen Text. Nicht jeder, der gut schreibt, kann gut analysieren und umgekehrt. Deshalb kann es durchaus Sinn machen, den Text von jemand anderem analysieren zu lassen – etwa einem Ghostwriter. Außerdem entwickelt sich eine Geschichte selbst bei gründlicher Planung immer ein wenig anders, als wir uns das am Anfang vorgestellt haben und so entstehen leicht Widersprüche oder Logikfehler. Mit ein wenig Distanz lässt sich außerdem überprüfen, ob die Geschichte auch spannend genug für die zukünftige Leserschaft ist.

Folgende Fragen und Aspekte sollten Sie sich beim Überarbeiten zu Herzen nehmen:

1. Die Geschichte als Ganzes

  • Worum geht es in der Geschichte? Was ist die Prämisse, der rote Faden der Geschichte? Eine Prämisse kann zum Beispiel sein „Widerstand führt zu Freiheit“ oder aber „Mut bringt Liebesglück“. Eine Prämisse ist der Kern einer Geschichte, je besser Sie diese präsent haben, umso besser gelingt Ihnen auch Ihre Geschichte. Alle großen Werke der Literatur haben eine eindeutig identifizierbare Prämisse. Eine solche Prämisse kann auf vielen Ebenen deutlich werden – etwa in einer symbolhaften Bildsprache oder Anspielungen. In „Irrungen, Wirrungen“ etwa beobachtet Königin Isabeau während des Ausflugs in Hankels Ablage, wie der billige Schaumwein in den Punsch gegossen wird, diese Szene nimmt vorweg, dass sie eben von geringer Abstammung ist und deshalb keine Aussicht auf Heirat mit einem Adeligen hat. Fragen Sie sich, an welchen Stellen Sie das Thema Ihres Buches noch stärker betonen können.
  • Welche Motivation haben die Charaktere? Um Charaktere glaubhaft zu machen, ist es wichtig, dass ihre Motivation klar erkennbar und nachvollziehbar ist. Ein Protagonist, der seine Eltern bei einem Brand verlor, wird vermutlich Angst vor dem Feuer haben und auf Rache sinnen. Ist eine Entwicklung der Hauptfiguren erkennbar, sind die Ereignisse und ihre Handlungen überzeugend? Schenken Sie auch den Nebenfiguren Beachtung – denn die geraten im Eifer des Schreibens oft in das Hintertreffen. Verleihen Sie auch Ihren Nebenfiguren Tiefe und Ambivalenz. Das gelingt oft mit einigen guten Dialogen und Andeutungen.
  • Ist der Plot nachvollziehbar? Gelingt es Ihnen, Ihren Plot auf einer halben DIN A 4 Seite zusammenzufassen? Falls nicht, könnte es sein, dass Sie an dieser Stelle noch einmal Arbeit vor sich haben. Alles, was nichts mit dem Plot zu tun hat, muss raus, auch liebgewonnene Abschweifungen. Gibt es lose Ende? Bleiben Fragen und Andeutungen unbeantwortet oder unerklärt? Verschwinden Figuren, gibt es Logikfehler?
  • Stimmt die Erzählperspektive? Vermutlich haben Sie schon früh für eine Erzählperspektive entschieden – etwa die „Ich-Perspektive“. Nehmen Sie sich Zeit und überlegen Sie, wie es sich auf Ihre Geschichte auswirken würde, wenn Sie die Perspektive wechseln.
  • Gibt es eine Balance? Lesen Sie Ihre Geschichte wachsam und kritisch. Gibt es langweilige bis zähe Passagen? Zögern Sie nicht, diese zu streichen oder schreiben Sie sie um. Stehen Anfang, Höhepunkt und Ende in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander?
  • Sind die Dialoge stimmig? Sprechen Sie die Dialoge laut vor. Sind sie überzeugend? Was kann noch verbessert werden? Ein gutes Buch lebt von seinen Dialogen.

2. Die Struktur

  • Nun ist es Zeit, sich die einzelnen Kapitel anzuschauen. Welche Funktion haben Sie? Betrachten Sie auch die Szenen und Abschnitte – sind sie für den roten Faden wirklich notwendig?
  • Spannung an den Anfang – nichts ist so wichtig wie der Anfang einer Geschichte. Lesen Sie ihn sich genau durch – könnte es Sinn machen, die Geschichte anders oder später beginnen zu lassen? Spielen Sie verschiedene Möglichkeiten durch! Der Anfang ist der Teil des Buches, der am stärksten überarbeitet werden muss – immerhin war das auch ihr Einstieg in die Geschichte.
  • Stimmt das Verhältnis von Erzählung und Information? Leser brauchen immer nur gerade so viel Information, um nicht verwirrt zu sein. Zu viele Hintergrundinformationen machen eine Geschichte langweilig, besonders am Anfang. Verteilen Sie solche Informationen besser oder streichen Sie sie ganz!
  • Sind die Übergänge stimmig? Schauen Sie sich an, wie die Kapitel und Szenen ineinander übergehen. Ist das für den Leser nachvollziehbar? Kann er der Geschichte so noch folgen?
  • Wiederholungen streichen – das ist einer der wichtigsten Punkte bei der Überarbeitung. Streichen Sie alle Wiederholungen raus!

3. Sprache und Stil

  • Gehen Sie in das Detail: Welche Wörter wie Füllwörter oder Adjektivwiederholungen können gestrichen werden? Moderne Schreibprogramme wie Papyrus Autor identifizieren diese für Sie.
    – Wie kann der Stil verbessert werden? Statt „Draußen war es kalt“ vielleicht „Der Schnee fiel in dicken Flocken und der Atem stand in kleinen Wolken vor den Gesichtern“.
  • Unnötige Adverbien wie „sehr“ rausnehmen, etwa statt „Es gefiel ihr sehr gut“ – „Sie mochte das Kleid“. Fragen Sie sich an jeder Stelle, ob Sie das Beabsichtigte noch besser erzählen können.
  • Klischees vermeiden: Es gibt Sprachwendungen, die hat jeder von uns schon tausendmal gelesen, etwa „Vom ersten Blick an war er verzaubert“ oder „ihr lief es kalt den Rücken hinab“. Überlegen Sie sich originelle Alternativen – genau das macht Ihr Buch einzigartig.
  • Es gibt noch weitere Stilregeln, etwa, dass Sie keine Passivsätze verwenden sollten. Achten Sie auf Grammatik und Rechtschreibung und kürzen Sie überlange Schachtelsätze.
  • Überprüfen Sie das Tempo: In einer sehr temporeichen Szene sind kurze Sätze besser als lange.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Überarbeitung?

Dazu gehen die Meinungen auseinander. Ein Kapitel direkt nach dem Schreiben zu überarbeiten, kann sich negativ auf den Schreibfluss auswirken, außerdem fehlt Ihnen die nötige Distanz, um Ihre Geschichte analytisch zu betrachten. Das gilt auch für die tägliche Bearbeitung vor dem Schreiben. Auf diese Weise kann der kreative Fluss zum Erliegen kommen. Es kann hilfreich sein, immer dann zu überarbeiten, wenn man mit dem Buch gerade nicht mehr weiterkommt und einem nichts mehr einfällt. Das hat den Vorteil, dass Sie auf diese Weise vielleicht auch herausfinden, welche tieferen Ursachen Ihre Schreibblockade hat – sind Sie vom Plot abgewichen? Verhalten sich Figuren unlogisch? Das analytisch zu lösen, hilft oft, den Schreibfluss wieder in Gang zu bringen. Die meisten Autoren aber – und auch wir als Ghostwriter – überarbeiten eine Geschichte erst ganz am Ende, und zwar mit mindestens zwei bis drei Wochen Abstand zur Geschichte.

Der wichtigste Tipp aber: Seien Sie nicht zimperlich mit dem Kürzen! Streichen Sie alles aus dem Buch, was für die Geschichte nicht notwendig ist, auch wenn es sich gut liest. Stephen King etwa streicht nach eigenen Angaben immer mindestens 10 Prozent eines Manuskripts wieder weg. Achten Sie vor allem darauf, dass der Höhepunkt ausreichend erzählt wird – gerade dieser gerät nämlich vielen Autoren zu kurz.

„Man kann ein Buch auch zu Tode überarbeiten“

Auch das ist richtig. Wenn Sie all die oben genannten Schritte durchgeführt haben – oder einen Ghostwriter damit beauftragt haben – lesen Sie sich Ihr Buch noch einmal mit einigem zeitlichen Abstand durch und prüfen Sie es letztmalig. Wenn Sie Ihr Buch einem Verlag vorstellen, wird dieser ohnehin noch Änderungswünsche haben, ebenso wenn Sie sich für die Zusammenarbeit mit einem Lektor entscheiden. Finden Sie den Absprung, wenn Sie ein gutes Gefühl haben – das braucht Mut, lohnt sich aber! Wir stehen Ihnen gerne mit Rat und Tipps zur Seite!