Vom Wort zum Film: Das Drehbuch

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Das Drehbuch ist das Instrument, das aus dem geschriebenen Wort einen Film entstehen lässt. Produzent, Regisseur, Schauspieler und Kameramänner brauchen es als Grundlage, um aus einer Geschichte einen Film zu machen. Entgegen landläufiger Meinungen enthält es fast nur Dialoge, kaum Beschreibungen und keine Kameraeinstellungen.

Drehbücher unterscheiden sich von anderen Büchern davon, dass sie sehr klare Formangaben verfolgen. Aus diesem Grund ist es auch nachvollziehbar, warum man nicht einfach ein Drehbuch schreibt, sondern sich zunächst mit diesen Vorgaben beschäftigt, eine Weiterbildung oder sogar einen Studiengang dafür besucht. Nur dann kann ein Drehbuch den formalen Erwartungen etwa bei Filmstiftungen aber auch bei Produktionsfirmen standhalten. Dazu gehört das Wissen, welche formalen Angaben eine Szene braucht (Außen? Innen? Tag? Nacht?), ob eine bestimmte Art von Schnitt notwendig ist, etwa, wenn ein Telefongespräch dargestellt wird oder eine Traumsequenz und auch wie Personen eingeführt und abgebildet werden. Ein Ghostwriter für ein Drehbuch bringt genau dieses Wissen und die Erfahrung mit und wird Ihr Drehbuch deshalb genauso schreiben, wie Sie es sich vorstellen.

Ein Drehbuch braucht all das, was auch ein Buch oder eine Kurzgeschichte braucht, nämlich einen Spannungsbogen. Die Entwicklung der Charaktere erfolgt einzig über die Dialoge bzw. die Handlungen, nicht wie bei einem Roman durch Beschreibungen. Auch das erfordert einiges an Umdenken im Kopf.

Eine Drehbuchseite bildet immer etwa eine Drehminute ab – und jede Drehminute kostet Geld. Effizienz beim Erzählen spielt deshalb eine große Rolle.
Rund 30 Seiten sollte man für die Einführung nehmen. In dieser ersten halben Stunde werden alle für den Film relevanten Figuren vorgestellt, inklusive ihrer Konflikte und des Hauptkonflikts, der die Geschichte vorantreibt. Nach der Einleitung kommt ein erster Turning Point, ein Wendepunkt,  an dem die Geschichte in Gang gesetzt wird. Die Heldin bekommt eine Nachricht, trifft jemanden oder hat einen Unfall und löst einen Strom aus Ereignissen heraus. In den folgenden Minuten bzw. auf den folgenden Seiten unternehmen die Hauptfiguren alle möglichen Anstrengungen, um den Konflikt zu lösen, lernen dabei etwas über sich selbst oder die Welt, in der sie sich bewegen und scheitern dabei mindestens einmal.
Etwa ab Seite 75 bis 80, je nachdem, wie lange der Film wird, erfolgt ein weiterer Turning Point, der die Lösung des Konflikts vorwegnimmt. In den letzten Minuten werden alle angefangenen Konflikte aufgelöst und Antworten gegeben.

Wer Filme aufmerksam schaut, wird diese Punkt bei allen guten Filmen sehr klar erkennen können.

Wichtig ist beim Drehbuchschreiben, dass man sich die visuelle Ebene immer vor Augen führt. In einem Roman sind wir es gewohnt, Armut zum Beispiel durch eine entsprechende Beschreibung abzubilden, ein heruntergekommenes Haus, eine arme Gegend, bellende Hunde. Im Film muss das durch visuelle Angaben gelöst werden. Dabei ist entscheidend, dass das Drehbuch von mehreren Personen gelesen wird, ohne dass der Verfasser es noch einmal erklären muss. Die Kunst ist, Stimmungsabsichten so zu beschreiben, dass diese Personen die Szene sofort regelrecht vor sich sehen. Anweisungen für Kameraleute sind so gut wie überflüssig, da diese sich diese selbst entwickeln.

Dialoge sind der Dreh- und Angelpunkt eines Drehbuchs. Die alte Regel beim Schreiben „Show, don’t tell“ ist hier noch wichtiger. Statt des Erzählers haben wir beim Film nur die Dialoge – und die Kamera. Auf diese beiden Werkzeuge muss sich der Drehbuchautor konzentrieren und all ihre Facetten ausnutzen.

Ein Dialog ist viel mehr als nur das, was gesprochen wird. Kann der Zuschauer zwischen den Zeilen lesen? Wie wird die sprechende Person durch den Dialog charakterisiert? Wie werden Emotionen ausgedrückt und Informationen vermittelt? Wie treibt dieser Dialog die Geschichte voran, etwa weil die Hauptfigur wichtige Informationen erhält.  Es ist sehr wichtig, dass man sich dabei die Herkunft, also den Habitus der handelnden Personen vor Augen führt. Ein Jugendlicher aus Neukölln wird anders sprechen als ein Universitätsprofessor aus Schwabing, genau das muss in der Wortwahl und der Art des Sprechens deutlich werden. Auch Andeutungen können so verpackt werden, dass sie die Hauptfigur vielleicht überhört, der Zuschauer sie aber sehr wohl versteht und so regelrecht in die Geschichte hineingesogen wird.

Dialoge in Drehbüchern sollen echt klingen, wirklich echt aber sind sie nie, das fällt auf, wenn wir Dialoge in Filmen oder Serien mit unseren alltäglichen Gesprächen abgleichen. Im Film oder im Fernsehen sind Dialoge viel konzentrierter, effizienter und auf den Punkt, weil sie sich nur auf die für die Geschichte relevanten Aspekte beziehen. Da unser realer Alltag aber eben nun einmal keinen roten Faden hat, laufen auch echte Gespräche anders ab.

Wie in einem Roman auch, spielen neben der Haupthandlung auch Nebenhandlungen eine Rolle. Auch diese gilt es effektiv auszugestalten, ohne der Haupthandlung zu viel Raum wegzunehmen.