Kunst oder Handwerk: Was macht einen guten Autor aus?

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Patrick John / photocase.de

„Was macht einen Autor oder einen Schriftsteller aus?“ – um diese Frage dreht sich im Literaturbetrieb fast alles. Für viele Neulinge in der Branche ist das ein wenig verunsichernd – wird man vielleicht als Autor geboren? Entstehen alle guten Bücher aufgrund von angeborenem Talent? Gerne will die Buchbranche uns das weismachen: Bücher als Produkt eines geradezu mystischen Prozesses zwischen dem Autor und seiner Geschichte.

Die Wahrheit ist: Schreiben besteht aus Handwerk und Leidenschaft. Die Leidenschaft für das Schreiben ist die Voraussetzung, um das Handwerk zu erlernen. Von daher ist das eine gute Nachricht für alle Neulinge: Handwerk kann man sich aneignen. Leider herrscht besonders in Deutschland noch immer die Ansicht vor, die reine Begabung als Autor würde ausreichen, um sich als Schriftsteller zu bezeichnen, eine Ausbildung dahin gibt es nicht oder wenn sie in Form von Schreibschulen in Anspruch genommen wird, wird sie allzu gerne verschwiegen, weil es eben jenen mystischen Charakter zerstört.

Die Leidenschaft aber ist viel wichtiger als Begabung, so es diese überhaupt gibt, denn sie sorgt dafür, dass Autoren genügend Geduld, Disziplin und Durchhaltevermögen mitbringen und zwar über einen langen Zeitraum.

Eine spannende Buchidee zu haben, ist nur der erste von vielen Schritten, um ein erfolgreiches Buch zu veröffentlichen. Es benötigt Disziplin, um neben Erwerbsarbeit, Familie, Hobbys und andere Verpflichtungen Zeit und Muße zum Schreiben zu finden und vor allem am Ball zu bleiben. Schreiben bedeutet, viele Stunden Arbeit in etwas zu stecken, von dem man nicht weiß, wann es Früchte tragen wird. Es bedeutet, sich ganz und gar in eine Geschichte, ihren Plot und ihre Figuren zu vertiefen und sie sozusagen überall mit sich herumzutragen.

Auch beim Schreiben gilt: Übung macht den Meister.  Je mehr ein angehender Autor schreibt, umso sicherer wird er im Ausdruck und in der Entwicklung seiner Geschichte. Deshalb: Üben, üben, üben – und das vor allem regelmäßig. Es ist wie beim Erlernen einer neuen Sprache oder einer Sportart – nur wer regelmäßig schreibt, selbst wenn die Motivation gerade fehlt, wird am Ende Erfolg haben.

Viele Autoren erachten es deshalb als hilfreich, sich feste Zeiten für das Schreiben freizuschaufeln und diese auch einzuhalten, auch wenn gerade keine Lust zum Schreiben da ist. Das hilft dabei, am Ball zu bleiben.

Wer als Autor erfolgreich sein möchte, muss sich und seine Arbeit ernst nehmen. Das bedeutet, dass man sich einen ruhigen Ort sucht, an dem man konzentriert arbeitet, nicht einfach zwischendurch in der Bahn oder im Café. Schreiben ist, auch für erfahrene Autoren, nichts, was man aus dem Handgelenk schüttelt, Konzentration ist alles.

Sinnvoll ist auch, sich die Schreibarbeit in kleine Schritte aufzuteilen: Statt dem 500 Seiten starken Roman vor Augen lieber an einzelne Kapitel oder zehn bis 20 Seiten Schritten denken. Kleine Zwischenziele sind leichter zu erreichen als der ganz große Wurf.

Wichtig ist auch die strategische Planung. Einfach drauf losschreiben, hat zwar einen gewissen kreativen Reiz, funktioniert aber nur in den seltensten Fällen. Besser ist es, den Plot mit all seinen Wendungen schon im Vorfeld gut auszuarbeiten, ebenso wie die Figuren und die Hintergrundrecherche. Genau daran scheitern Autoren nämlich schnell. Selbst ein Fantasy oder Science Fiction Roman will gut recherchiert sein, will er seine Leser überzeugen.

Autor werden hat nichts mit der gern skizzierten mythischen Begabung zu tun, diese kann zwar nützlich sein, aber ohne Übung und Disziplin lässt auch sie keinen Bestseller entstehen. Das ist eine gute Nachricht für all jene, die gerne schreiben möchten, aber an ihrem Talent zweifeln.

Hilfreich ist es auch, andere zu Rate zu ziehen, etwa in dem man das Manuskript Testlesern vorlegt oder eine professionelle Manuskriptprüfung bucht. Dabei darf man nicht zimperlich sein: Jede Kritik, ganz gleich, wie sie formuliert ist, ist eine gute Kritik, denn sie wird dafür sorgen, dass das Manuskript besser wird.