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Haupt- und Nebenfiguren richtig entwickeln

Pixaybay CC 00

Sie machen unsere Geschichte erst lebendig – die Haupt- und Nebenfiguren. Manche Autoren beginnen mit ihrem Protagonisten/ihrer Protagonistin, wenn sie sich ein neues Buch ausdenken, andere entwickeln die Charaktere entlang des Settings.  Nicht wenige entdecken dabei, dass Romanfiguren gerne mal ein Eigenleben entwickeln, und zwar immer dann, wenn man ihre Eigenschaften entweder besonders gut oder besonders schlecht durchdacht hat. Grund genug, sich einmal anzuschauen, wie man Haupt- und Nebenfiguren richtig entwickelt.

Der Einfachheit halber, gehen wir an dieser Stelle nur von drei Kategorien aus: Hauptfiguren, Nebenfiguren und Platzhaltern. Andere Autoren benutzen fünf Kategorien, aber darauf werden wir an anderer Stelle noch einmal eingehen.

Was macht eine Hauptfigur aus?

Hauptfiguren sind die Motoren einer Geschichte. Sie sind es, die die Story vorantreiben, mal als Held, mal als Antiheld, mal als Widersacher oder Bösewicht. Die wichtigste Person in einer Geschichte, nach der häufig schon der Titel benannt ist, ist der Protagonist oder die Protagonistin. Es handelt sich um vielschichtige Charaktere mit umfangreichen, zum Teil widersprüchlichen Eigenschaften, einer „Backstory“, also einer Geschichte, warum sie sich so verhalten, wie sie es tun und vor allem einer Entwicklung im Laufe der Geschichte. Ein Roman, in dessen Verlauf sich die Figur nicht verändert, ist gescheitert und bleibt dem rein Deskriptiven verhaftet.

Welche Aufgabe haben die Nebenfiguren?

Ohne Nebenfiguren kann eine Story nur schwer funktionieren (Ausnahmen bestätigen die Regel, in „Die Wand“ von Marlen Haushofer oder auch in „Walden“ von Henry Thoureu geht das sehr wohl, aber da macht eben die Innenschau die Story aus und das ist nicht jedermanns Sache). Nebenfiguren sind nicht so komplex wie die Hauptfiguren, trotzdem zeichnen sie sich durch Orginalität und Wiedererkennungswert aus (die Breaking Bad Fans zum Beispiel wissen, dass Pinkman eigentlich nur eine Nebenfigur sein sollte, sich aber dann zur tragenden Hauptfigur entwickelte – auch das kann passieren, wenn eine Nebenfigur mehr oder genauso viel Potenzial hat wie eine Hauptfigur).

Die Nebenfiguren lassen sich wiederum unterteilen: Es gibt die helfenden Nebenfiguren, bei denen sich die Protagonistin beispielsweise ausweint oder die ihr wichtige Hinweise geben.  In ersterem Fall ist die Nebenfigur ein Vertrauter, im zweiteren ein Katalysator, denn der Hinweis ist entscheidend, um die Story voranzubringen.

Aufgaben von Nebenfiguren

Daneben gibt es noch Nebenfiguren, die durch ihre Geschichten oder ihre Handlungen ganz neue Ebenen in der Erzählung eröffnen, in dem sie zum Beispiel den Kontrast erhöhen. Eine böse Schwiegermutter lässt die Prinzessin noch liebenswürdiger erscheinen, ein geldgieriger Kollege stellt die hehren Absichten des Protagonisten heraus. Hier zeigt sich schon, wie wichtig es ist, sich über die Nebenfiguren Gedanken zu machen, da sie entscheidende Impulse für die Story geben.

Gleichzeitig können Nebenfiguren einen Protagonisten auch in ein besseres Licht rücken oder ausgleichen – und zwar auf vielfältige Weise. Jamie Lannister etwa hat in Game of Thrones durch Brienne of Tarth viele Sympathien gewonnen, auch wenn hier das Verhältnis zwischen Haupt- und Nebenfiguren sogar wechselt.  Häufig übernehmen auch sogenannte Sidekicks wie zum Beispiel Dr. Watson bei Sherlock Holmes eine solche Funktion, diese kann aber zum Beispiel auch bedeuten, dass verhindert wird, dass ein Film falsch gelesen wird und er zu einseitig wird.
Sie können aber auch über das rein Figürliche hinauswachsen, in dem sie Gut und Böse repräsentieren, damit zwar eine starke Wirkung haben, sich aber als Charakter nicht sehr verändern – typische Eigenschaften einer Nebenfigur oder sie können einen bestimmten Standpunkt verkörpern, etwa der rationale Wissenschaftler, der verträumte Idealist oder die leidenschaftliche Kämpferin. All diesen Figuren ist gemein, dass sie etwas repräsentieren, in sich selbst aber sehr statisch sind. Trotzdem sind sie notwendig, um die Geschichte voranzubringen.

Statisten oder Platzhalter

Diese Art von Figuren zeichnet aus, dass sie meistens noch nicht einmal einen Dialog haben und kaum in Erscheinung treten. Sie sind die schwertschwingenden Massen in epischen Schlachten, sie sind die Menschen in einem Restaurant oder in einer U-Bahn und mehr ein Teil der Kulisse als der Geschichte. Doch auch ohne sie kann die Geschichte nicht funktionieren.

Unser Tipp: Lassen Sie sich Zeit, um Ihre Figuren kennenzulernen. Hauptfiguren treten meist schon sehr früh in einem Buch auf, sie verfügen über die komplexesten Persönlichkeiten und verhalten sich nicht klischeehaft. Nebenfiguren können ruhig originell sein, aber sie dürfen den Hauptfiguren nicht die Show stehlen. Hier kann ruhig auch ein wenig mit Stereotypen gearbeitet werden.