Glaubhafte Buchcharaktere schaffen – so geht es!

Glaubwürdige Charaktere zu erschaffen, ist gar nicht so einfach, wie manch einer vielleicht denken mag. Auf der einen Seite müssen diese Charaktere so lebendig und echt sein, wie die Menschen aus dem Leben, auf der anderen Seite stehen sie oft vor Schwierigkeiten, die uns in der Realität eher nicht begegnen. Zwischen Glaubwürdigkeit und Spannung ist Balance notwendig. Der Buchcharaktere sind eine ganz eigene Menschenform, in der Buchbranche auch liebevoll „homo fictus“ genannt.

Was aber macht einen glaubwürdigen Charakter aus?

  • Er hat eine Geschichte. Auch wenn diese nur angerissen wird, muss der Autor sie kennen und benutzen, um einen Charakter mehrdimensional und authentisch zu machen.
  • Er verhält sich nachvollziehbar. Willkürliche, nicht nachvollziehbare Handlungen, sind das sicherste Mittel, um Leser vor den Kopf zu stoßen. Widersprüchliche Handlungen hingegen sind großartig, denn sie befeuern den Konflikt einer Geschichte.
  • Er hat eine gute Mischung an Eigenschaften. Ein immer guter Held, eine immerzu perfekte Heldin, ein ständig böser Bösewicht – geht es noch langweiliger? Um Spannung aufzubauen, müssen Charaktere vom vorgegebenen Schema abweichen – nur so identifizieren die Leser sich mit ihnen.

Wie erreicht man das?

Gerade unerfahrene Autoren begehen oft den Fehler, Charaktere viel zu flach zu gestalten, dabei liegt die Würze in den Dimensionen. Dimensionen entstehen durch Komplexität und Widersprüche, und zwar sowohl psychologisch, sozial und in seinen körperlichen Fähigkeiten.

Aussehen und körperliche Fähigkeiten

Im Film ist das die erste Dimension, die wir von einem Charakter sehen, in einem Buch können andere Dimensionen zuerst kommen. Die physische Dimension umfasst alles, was mit dem Aussehen und den körperlichen Eigenschaften zu tun hat: Größe, Haarfarbe, Alter, Kleidung, Frisur, Gestik, Besonderheiten wie Lispeln oder Humpeln, Krankheiten und der Geruch. Körperliche Merkmale können sowohl den Charakter eines Menschen repräsentieren als auch dessen gesellschaftliche Position, sie können aber auch in krassem Widerspruch dazu stehen (Stichwort: Widersprüche). Wie jemand aussieht und was er kann, beeinflusst seinen Lebensweg, auch hier ist unbedingt auf Schlüssigkeit zu achten.

Gesellschaftliche Rolle und Haltung

Hier gehört das soziale Umfeld des Charakters hin: Familie, Freunde, Wohnort, sein Beruf, das Land, in dem er lebt, die soziale Schicht, aus der er kommt. Das klingt erst einmal unwichtig, doch wo wir herkommen und wie wir aufwachsen, beeinflusst unsere Handlungen. Jemand aus einer armen Familie wird es schwer haben, sich unter reichen Menschen unauffällig zu bewegen, kann er es doch, muss es dafür einen Grund, ein Motiv geben, das erklärt werden muss. Gleichzeitig verhalten sich die wenigsten Menschen überall gleich, sondern treten im Beruf anders auf als unter Freunden und so weiter. Um eine Figur glaubhaft zu machen, muss aus dieser Aspekt berücksichtigt werden.

Innere Einstellung

Jeder Mensch hat Hoffnungen und Sehnsüchte, Geheimnisse und Ängste. Diesen Bereich nennt man die psychologische Dimension eines Charakters und um eine Figur in all ihrer Widersprüchlichkeit verstehbar zu machen, sollte man besonders auf diese einige Zeit verwenden. Niemand ist immer mutig, niemand ist immer rotzfrech. Ein guter Tipp ist, sich die echten Menschen in Ihrem Umfeld anzusehen und sich Notizen zu machen.