Für`s Ghostwriting braucht man viel Tapete

p.marshZum Ghostwriting braucht man erstmal jede Menge Tapeten und einen langen Tapeziertisch. Nein, ohne Quatsch. Wir bringen eine weiße Tapete quer an die Wand an. Hierauf wird eine Zeitschiene gezeichnet. In regelmäßigen Abständen gibt es Weichen, also wie zu einer Art Nebengleis, das am Ende wieder auf den Hauptstrang führt.
Hier werden alle Notizen zu den vorher nummerierten Vor-Texten chronologisch angeordnet und dies garantiert die ordnungsgemäße Einfügung späterer eventuell nachfolgender Informationen. Wenn das erledigt ist, erstellen wir eine grobe Rohfassung. Nach der Rohfassung werden Dinge wie Wetter, Jahreszeit, Infrastruktur, eben alle relevanten Dinge geprüft oder nachrecherchiert. Dann kann es auch schon losgehen.
Wir sind ja drei „Schreiber“ und jetzt muss man sich in Gedanken vorstellen, jeder von uns hat einen Buchstaben. So haben wir A, B und C.
A schreibt 10 Seiten. B liest die 10 Seiten und nimmt gleichzeitig Überarbeitungen vor und ergänzt den Text um weitere 10 Seiten. C fängt vorne an, überarbeitet die 2 x 10 Seiten und schreibt 10 neue dazu. Dann beginnt alles wieder von vorne. Es wird solange immer am Anfang begonnen, bis ein wirklich perfekter Text mit bestmöglicher Aussage entstanden ist. Irgendwann beginnt man dann an späterer Stelle. Alles verstanden?

Sach mal, Peter, wie fing das eigentlich damals alles bei dir an mit dem Ghostwriten?

Wie die ganze Sache mit dem Ghostwriting damals anfing bei mir, das ist eine nicht ganz einfach zu beantwortende und eher persönliche Frage … Es begann bei mir 1987, eher ungewollt. Wie viele andere junge Männer musste ich meiner Wehrpflicht in der damaligen NVA nachkommen. Wie es bei jungen Menschen wohl oft zu finden ist, fällt es schwer auferlegte Zwänge und Gesetze, deren tieferer Sinn sich einem nicht erschließt, zu erkennen. So geriet man eben, gerade bei der Armee, schnell in Schwierigkeiten. Statt jedoch einer Woche Armee-Arrest erhielt ich zwei Tage Sonderurlaub. Dies sorgte für allgemeines Erstaunen. Hier erkannte ich, dass gut durchdachte Worte, sei es auch nur in „Stellungnahmen“, mehr bewirken können, als Taten. In Folge hatte ich sehr viel zu tun, da es viele „Junge Genossen“ gab, die ebenfalls Probleme hatten und Dank meiner verfassten Stellungnahmen nicht arretiert wurden, oder nachdienen mussten. Meine erste Arbeit war die Memoiren eines Hauptfeldwebels, dessen Namen ich nicht nennen darf, es folgten weitere Arbeiten, da Mundpropaganda damals schon sehr viel Wirkung besaß. Nach der Wende wurde es quasi zum Nebenberuf.